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Gedanken
zum Pferd und zum Reiten
von M. Polz
Für manche ist
es ein Prestigeobjekt, für manche ist es ein Sportgerät, für manche ist es Spielzeug
oder Kinderersatz, dann gibt es noch die, die das Pferd wirklich lieben. Nämlich
so wie es ist. Wie ein Pferd eben. Für Pferde wurden Kriege geführt, für Pferde
wurden Gedichte geschrieben, Lyrik, Prosa, Literatur, Filme, alles ist vorhanden.
Kein anderes Lebewesen hat die Phantasie der Menschen und deren Faszination
so dermaßen angeregt.
Natürlich, es gibt
Leute die von sich selbst behaupten, dass sie Pferde nicht mögen. Nach umfangreichen
Recherchen bin ich allerdings drauf gekommen, dass die meisten dieser Leute
Pferde zwar mögen, aber dass ihnen die Größe und die Mächtigkeit dieses, ansonsten
sehr sanften und friedfertigen, Lebewesens Angst einflößt. Manche haben auch
aufgrund der Unachtsamkeit von Pferdeleuten schlechte Erlebnisse mit Pferden
gehabt. Es gibt keinen Grund sie zu fürchten. Man muss sie nur kennen und richtig
kennen lernen.
Wie sieht es
heute in den meisten Pferdeställen aus?
Der Reitschüler ist eine Nummer. Der Reitlehrer hat nicht genug Zeit, oder nicht
genug Lust um sich mit jedem individuell zu befassen. Geld spielt eine immer
größer werdende Rolle. Dass es nicht öfter zu Unfällen kommt, ist rein darin
begründet, dass diese Tiere wirklich friedfertig sind.
Wie sieht es
heute in den meisten Zuchtbetrieben aus?
Gezüchtet wird auf Schönheit und Eleganz. Das Pferd muss eine bestimmte Größe
aufweisen um akzeptiert zu werden. Dem Wesen und, vor allem den wesentlichen
Punkten, Hufen und Beinen wird kaum mehr eine Bedeutung beigemessen. In der
Aufzucht werden viele Fehler gemacht. Fohlen wachsen alleine auf und bekommen
nicht das Zusatzfutter, das sie so dringend benötigen. Viele Krankheiten und
Skelettprobleme sind in der Aufzucht begründet. Das junge Pferd wird so schnell
wie möglich eingeritten. Es hat keine Zeit einfach ein junges Pferd zu sein,
denn es muss ja so schnell wie möglich verkauft werden. Auch hier spielt Geld
eine immer größer werdende Rolle.
Wie sieht es
heute in den meisten Einstellbetrieben aus?
Juhuu, wir haben ein Pferd wird immer schneller bitter bestraft. Es ist schwierig
den geeigneten Einstellbetrieb zu finden. Entweder man schaut auf die halbwegs
artgerechte Haltung seines Pferdes, oder man will reiten. Beides ist in den
meisten Fällen unmöglich. Der Einsteller wird oft nicht mehr wie ein zahlender
Kunde behandelt, sondern wie ein lästiges Insekt. Besser man traut sich nicht,
für sich oder sein Pferd etwas zu verlangen, das könnte ins Auge gehen und man
trifft sich schnell samt Pferd auf der Straße wieder. In keinem Kaufhaus wird
man so behandelt, wie in einem Einstellbetrieb, wo man doch jedes Monat sehr
viel mehr Geld lässt.
Wie sieht die
artgerechte Haltung heute aus?
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir unseren Pferden die artgerechte
Haltung gar nicht mehr bieten können. Doch falsch verstandene Tierliebe kann
mehr schaden als nützen. Unsere Pferde sind nicht mehr die Wildpferde, die man
Tag und Nacht und zu jeder Jahreszeit auf einer Koppel, die ohnehin zu klein
ist, vergessen kann. Um ihnen frische Luft zu gönnen, ist es absolut irrsinnig,
anzunehmen, dass man alle Fenster und Türen zum Stall öffnet. Zugluft ist schädlich!
Zumindest genau so schädlich wie schlechte Luft im Stall. Pferde die trotzdem
das ganze Jahr über auf einer Koppel gehalten werden (Offenstallhaltung) müssen
auch dementsprechend gefüttert und geritten werden. Wenn Ihr Pferd mit einer
10 cm dicken Wolle herumläuft und ohnehin den ganzen Tag draußen ist, empfindet
es das Reiten nicht mehr als lustig. Vor allem, wenn, so wie in den meisten
Fällen üblich, das Kraftfutter auch nicht stimmt. Pferde finden es auch nicht
lustig, wenn sie den ganzen Tag und bei jedem Wetter draußen sind und dabei
keinen Unterstand haben, wo sie sich zumindest gegen die Witterung schützen
können. In der kalten Jahreszeit ist es auch nicht besonders gut, dem Pferd
nicht eine ausreichende Menge an Heu auf der Koppel anzubieten. Pferde knabbern
den ganzen Tag, auch in der freien Wildbahn. Also wäre es nur artgerecht, wenn
man ihnen das selbe auf der Koppel zugesteht, auf der sie den ganzen Tag stehen.
Im Unterstand sollte Stroh sein, damit sich das Pferd darin auch wohl fühlt.
Wie kann man
es trotzdem besser machen?
Täglich ein paar Stunden auf einer Koppel herumzuhüpfen macht jedem Pferd Spaß.
Intelligente Belüftung des Stalls ist besser als zwischendurch einmal Fenster
und Türen aufzureißen. Täglicher Kontakt mit dem Pferd und tägliche Beschäftigung
ist wichtiger, als allein gelassen auf einer Koppel herumzulungern. Ja, genauso
ist es, denn die meisten Koppelpferde haben oft keine Herde in der sie sich
einfügen können. Es ist an der Zeit sich Gedanken über die Haltung seines Pferdes
zu machen. Und zwar wirklich Gedanken und nicht was Pferdeguru XY dazu meint.
Ein bisschen logisch denken und vor allem nachdenken hilft oft schon viel weiter.
Ach, da gibt
es auch noch das andere Extrem!
Ich nenne es das Turnierreiter-Syndrom. Pferd darf nicht auf die Koppel, weil......
. Das könnte man jetzt unendlich ausschmücken. Dass diese Pferde unterbeschäftigt
sind und auf zahlreiche Dummheiten kommen, ist zu verstehen. Entweder sie gewöhnen
sich Stalluntugenden an, oder sie werden irgendwann einmal als Problempferd
mit einer Macke abgestempelt. Tolle Aussichten, nicht? Das Pferd als Bewegungstier,
das 23 Stunden im Stall steht und dann 1 Stunde voll zur Verfügung stehen soll.
Nach 23 Stunden im Stall soll es elastisch im Rücken sein, springen wie ein
junger Gott, oder über das Viereck fliegen wie Pegasus ohne Flügel. Können Sie
das, wenn Sie 23 Stunden irgendwo eingesperrt waren? Ich habe schon nach 8 Stunden
Büro keinen entspannten Muskel mehr, obwohl ich nicht ständig am selben Ort
verweile.
Nehmt euch mehr
Zeit für eure Pferde und denkt wie eure Pferde. Ihr dürft Pferde nicht nach
menschlichen Maßstäben messen. Fangt endlich an, logisch zu denken und nehmt
nicht jedes Wort der selbsternannten Pferdegurus als bare Münze. Logisch denken
fängt bei der Haltung des Pferdes an und geht über das Reiten bis hin in euren
ganzen Lebensbereich. Statt Hunderte von Artikeln von irgendwelchen Leuten zu
lesen, die so tun als hätten sie das Pferd erfunden, denkt selber nach! So falsch
könnt Ihr gar nicht liegen, wie es jemand tut, der damit Geld verdient. Geld,
das er so wie jeder Verkäufer aus den Taschen der Pferdebesitzer zieht, nur
um ihnen zu sagen was sie hören wollen. Dieser Appell richtet sich nicht nur
an Pferdebesitzer. Dieser Appell richtet sich vor allem auch an die Stallbesitzer.
Zum Wohle des Pferdes.
Denkt doch
mal darüber nach, um eurer Pferde willen. Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 8655 | Drucken
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