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Gedanken zum Pferd und zum Reiten PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Webmaster   
28.03.2004 10:47

Gedanken zum Pferd und zum Reiten

von M. Polz

 

Für manche ist es ein Prestigeobjekt, für manche ist es ein Sportgerät, für manche ist es Spielzeug oder Kinderersatz, dann gibt es noch die, die das Pferd wirklich lieben. Nämlich so wie es ist. Wie ein Pferd eben. Für Pferde wurden Kriege geführt, für Pferde wurden Gedichte geschrieben, Lyrik, Prosa, Literatur, Filme, alles ist vorhanden. Kein anderes Lebewesen hat die Phantasie der Menschen und deren Faszination so dermaßen angeregt.

Natürlich, es gibt Leute die von sich selbst behaupten, dass sie Pferde nicht mögen. Nach umfangreichen Recherchen bin ich allerdings drauf gekommen, dass die meisten dieser Leute Pferde zwar mögen, aber dass ihnen die Größe und die Mächtigkeit dieses, ansonsten sehr sanften und friedfertigen, Lebewesens Angst einflößt. Manche haben auch aufgrund der Unachtsamkeit von Pferdeleuten schlechte Erlebnisse mit Pferden gehabt. Es gibt keinen Grund sie zu fürchten. Man muss sie nur kennen und richtig kennen lernen.

Wie sieht es heute in den meisten Pferdeställen aus?
Der Reitschüler ist eine Nummer. Der Reitlehrer hat nicht genug Zeit, oder nicht genug Lust um sich mit jedem individuell zu befassen. Geld spielt eine immer größer werdende Rolle. Dass es nicht öfter zu Unfällen kommt, ist rein darin begründet, dass diese Tiere wirklich friedfertig sind.

Wie sieht es heute in den meisten Zuchtbetrieben aus?
Gezüchtet wird auf Schönheit und Eleganz. Das Pferd muss eine bestimmte Größe aufweisen um akzeptiert zu werden. Dem Wesen und, vor allem den wesentlichen Punkten, Hufen und Beinen wird kaum mehr eine Bedeutung beigemessen. In der Aufzucht werden viele Fehler gemacht. Fohlen wachsen alleine auf und bekommen nicht das Zusatzfutter, das sie so dringend benötigen. Viele Krankheiten und Skelettprobleme sind in der Aufzucht begründet. Das junge Pferd wird so schnell wie möglich eingeritten. Es hat keine Zeit einfach ein junges Pferd zu sein, denn es muss ja so schnell wie möglich verkauft werden. Auch hier spielt Geld eine immer größer werdende Rolle.

Wie sieht es heute in den meisten Einstellbetrieben aus?
Juhuu, wir haben ein Pferd wird immer schneller bitter bestraft. Es ist schwierig den geeigneten Einstellbetrieb zu finden. Entweder man schaut auf die halbwegs artgerechte Haltung seines Pferdes, oder man will reiten. Beides ist in den meisten Fällen unmöglich. Der Einsteller wird oft nicht mehr wie ein zahlender Kunde behandelt, sondern wie ein lästiges Insekt. Besser man traut sich nicht, für sich oder sein Pferd etwas zu verlangen, das könnte ins Auge gehen und man trifft sich schnell samt Pferd auf der Straße wieder. In keinem Kaufhaus wird man so behandelt, wie in einem Einstellbetrieb, wo man doch jedes Monat sehr viel mehr Geld lässt.

Wie sieht die artgerechte Haltung heute aus?
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir unseren Pferden die artgerechte Haltung gar nicht mehr bieten können. Doch falsch verstandene Tierliebe kann mehr schaden als nützen. Unsere Pferde sind nicht mehr die Wildpferde, die man Tag und Nacht und zu jeder Jahreszeit auf einer Koppel, die ohnehin zu klein ist, vergessen kann. Um ihnen frische Luft zu gönnen, ist es absolut irrsinnig, anzunehmen, dass man alle Fenster und Türen zum Stall öffnet. Zugluft ist schädlich! Zumindest genau so schädlich wie schlechte Luft im Stall. Pferde die trotzdem das ganze Jahr über auf einer Koppel gehalten werden (Offenstallhaltung) müssen auch dementsprechend gefüttert und geritten werden. Wenn Ihr Pferd mit einer 10 cm dicken Wolle herumläuft und ohnehin den ganzen Tag draußen ist, empfindet es das Reiten nicht mehr als lustig. Vor allem, wenn, so wie in den meisten Fällen üblich, das Kraftfutter auch nicht stimmt. Pferde finden es auch nicht lustig, wenn sie den ganzen Tag und bei jedem Wetter draußen sind und dabei keinen Unterstand haben, wo sie sich zumindest gegen die Witterung schützen können. In der kalten Jahreszeit ist es auch nicht besonders gut, dem Pferd nicht eine ausreichende Menge an Heu auf der Koppel anzubieten. Pferde knabbern den ganzen Tag, auch in der freien Wildbahn. Also wäre es nur artgerecht, wenn man ihnen das selbe auf der Koppel zugesteht, auf der sie den ganzen Tag stehen. Im Unterstand sollte Stroh sein, damit sich das Pferd darin auch wohl fühlt.

Wie kann man es trotzdem besser machen?
Täglich ein paar Stunden auf einer Koppel herumzuhüpfen macht jedem Pferd Spaß. Intelligente Belüftung des Stalls ist besser als zwischendurch einmal Fenster und Türen aufzureißen. Täglicher Kontakt mit dem Pferd und tägliche Beschäftigung ist wichtiger, als allein gelassen auf einer Koppel herumzulungern. Ja, genauso ist es, denn die meisten Koppelpferde haben oft keine Herde in der sie sich einfügen können. Es ist an der Zeit sich Gedanken über die Haltung seines Pferdes zu machen. Und zwar wirklich Gedanken und nicht was Pferdeguru XY dazu meint. Ein bisschen logisch denken und vor allem nachdenken hilft oft schon viel weiter.

Ach, da gibt es auch noch das andere Extrem!
Ich nenne es das Turnierreiter-Syndrom. Pferd darf nicht auf die Koppel, weil...... . Das könnte man jetzt unendlich ausschmücken. Dass diese Pferde unterbeschäftigt sind und auf zahlreiche Dummheiten kommen, ist zu verstehen. Entweder sie gewöhnen sich Stalluntugenden an, oder sie werden irgendwann einmal als Problempferd mit einer Macke abgestempelt. Tolle Aussichten, nicht? Das Pferd als Bewegungstier, das 23 Stunden im Stall steht und dann 1 Stunde voll zur Verfügung stehen soll. Nach 23 Stunden im Stall soll es elastisch im Rücken sein, springen wie ein junger Gott, oder über das Viereck fliegen wie Pegasus ohne Flügel. Können Sie das, wenn Sie 23 Stunden irgendwo eingesperrt waren? Ich habe schon nach 8 Stunden Büro keinen entspannten Muskel mehr, obwohl ich nicht ständig am selben Ort verweile.

Nehmt euch mehr Zeit für eure Pferde und denkt wie eure Pferde. Ihr dürft Pferde nicht nach menschlichen Maßstäben messen. Fangt endlich an, logisch zu denken und nehmt nicht jedes Wort der selbsternannten Pferdegurus als bare Münze. Logisch denken fängt bei der Haltung des Pferdes an und geht über das Reiten bis hin in euren ganzen Lebensbereich. Statt Hunderte von Artikeln von irgendwelchen Leuten zu lesen, die so tun als hätten sie das Pferd erfunden, denkt selber nach! So falsch könnt Ihr gar nicht liegen, wie es jemand tut, der damit Geld verdient. Geld, das er so wie jeder Verkäufer aus den Taschen der Pferdebesitzer zieht, nur um ihnen zu sagen was sie hören wollen. Dieser Appell richtet sich nicht nur an Pferdebesitzer. Dieser Appell richtet sich vor allem auch an die Stallbesitzer. Zum Wohle des Pferdes.

Denkt doch mal darüber nach, um eurer Pferde willen.


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Kommentare (3)
RSS Kommentare
1. 09.04.2007 10:55
Im großen und ganzen muss ich dem Autor dieses Artikels Recht geben. Doch in einem Punkt muss ich wiedersprechen. Vielen Stallbesitzer (mit Einsteller) liegt das Wohl der Pferde am Herzen, aber man kann es nun mal nicht allen Besitzern Recht machen.  
Und was ist schon artgerechte Unterbringung? Die Pferde müssten, wenn man sie artgerecht unterbringt als Wildpferd über die Weiden galoppieren, doch das können heute, in unserer zivilisierten Gesellschaft, nur die wenigsten. 
Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Registriert
2. 20.04.2007 07:06
Huch, lang ist es her dass ich das geschrieben habe.....:grin Meine Güte, habe ich mich da noch ausgedrückt....:eek :zzz  
 
Artgerechte Haltung war vielleicht das falsch gewählte Wort. Artgemäße Haltung hätte es besser getroffen. 
 
Schon klar, dass wir unseren Pferden nicht mehr das Wildpferdedasein bieten können, wollen wir ja auch gar nicht, denn da wären unsere lieben Pferde gar nie alt geworden und wir dürften auch nicht unsere Zeit mit ihnen verbringen :cry , aber wir können ihnen zumindest für einige Stunden ein Leben außerhalb einer 3 x 4 (im besten Fall) Box in mitten von einer harmonischen Gruppe mit Artgenossen bieten. 
 
Leider ist auch das schwer zu realisieren, weil die Fluktuation in den meisten Ställen eine harmonische Gruppe nicht zulässt bzw. es aus Platzgründen unmöglich ist Pferde zusammen zu stellen die sich vertragen. Darum gibt es meist bunt zusammengewürfelte Gruppen und viele kleine Verletzungen, die auch unnötig sind. Auch eine Erfahrung die ich in den letzten Jahren dazugewonnen habe. :sigh  
 
Ich wollte auch nicht alle Stallbesitzer anklagen, schon klar, dass es bestimmt welche gibt die sich bemühen und denen das Wohl der Pferde am Herzen liegt. Die Mehrheit hat sicher einen Stall eröffnet weil idealistische Träume dahinter standen, die leider auch nicht alle erfüllbar sind. Das weiß ich auch selbst und ich weiß auch, dass das Leben als Stallbesitzer nicht unbedingt einfach ist :roll  
 
Aber es gibt eben auch noch die anderen und das ist leider trauriger Fakt. Wobei ich natürlich schon hoffe, dass die in der Minderheit sind.
Registriert
3. 08.07.2008 12:09
faule kompromisse
"Entweder man schaut auf die halbwegs artgerechte Haltung seines Pferdes, oder man will reiten. Beides ist in den meisten Fällen unmöglich." 
sollte dies tatsächlich der fall sein, sollte man es lieber bleiben lassen. wenn man meint, seine egoistischen bedürfnisse auf kosten des pferdes ausleben zu müssen, reiht man sich nahtlos in die reihe derjenigen ein, für die das pferd eben nicht mehr als ein mittel zum zweck ist, worin der nun auch immer bestehen möge. es geht nämlich auch durchaus anders.Leben mit Pferden - Wohnprojekt der besonderen Art
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